JULIA BAUR
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Zwischen den Künsten pendeln
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Von Sabine Graf
aus Arbeitnehmer , Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes , 7 / 2001

 

Die in Rehlingen lebende Fotografin und Malerin Julia Baur hat in den letzten Jahren den menschlichen Körper neu entdeckt und aufs Fotopapier gebracht. Jetzt tritt die Malerei wieder in den Vordergrund.

 

Nichts scheint das zu sein, für was man es hält. Die faltige, gekerbte Haut der Finger, die aneinander gepresst sind, sind doch zwei Finger oder ist es...... ? Das eigene Körpergedächtnis bietet noch eine andere Lösung an. Die Malerin und Fotografin Julia Baur setzt bewusst diese eindeutigen Zweideutigkeiten in ihrer Bildsprache ein. Der Betrachter müsse das Gefühl selbst befragen, sich selbst einsetzen, erklärt die 37- jährige Künstlerin.
Der Körper als Ort, den man jeweils neu entdeckt, spielt in den Arbeiten der Julia Baur zunehmend eine hervorragende Rolle. Das ist buchstäblich zu verstehen, galt doch ihre letzte Arbeit, die in der Ausstellung "Kunstszene Saar" im Museum St. Ingbert zu sehen war, dem Körper als Kleid. Julia Baur hatte dafür Haut fotografiert. Ihre Schwarzweiß-Aufnahmen ließen das Auge über zarte Härchen bevölkerte Haut spazieren, den Blick an sich wie Flüsse kreuzenden Adern festkrallen, ihn in Dellen und Falten führen oder über die Haut spannenden feinen Narbengeflechten schweben. Doch es war kein kulinarisches, vordergründig erotisches Patchwork-Bild, das Julia Baur zu einem taillierten Kleid zusammenfügte. Das Augenmerk lag auf der auf als Körperkleid, nicht las Horrorfantasie, sondern als sinnliches Erlebnis bzw. Ergebnis, das betastet, berührt und erfahren werden will.
Nimmt man dieses Körperkleid als den vorläufigen Endpunkt ihres Schaffens, dann beginnt diese Werkphase genau fünf Jahre zuvor. Wieder war es eine Landeskunstausstellung gewesen, an der die Absolventin der Hochschule der Bildenden Künste Saar zum ersten Mal teilnahm. Damals hatte sie in den Wechselausstellungspavillon der Modernen Galerie des Saarland Museums ein riesiges weißes Hemd aufgespannt. Die Kluft eines Riesen, der aus seiner Haut gefahren war. Damals studierte Julia Baur noch in der Klasse von Bodo Baumgarten. Das Riesen- Hemd war zugleich, sagt sie heute, die Loslösung von der Malerei. "Ich wollte nicht mehr malen, sondern Objekte machen."
1992 war sie nach Saarbrücken gekommen, um dort weiter zu studieren. J. Baur zog eine Zwischenbilanz und begann sich mit ihrer Diplomarbeit im Jahr 1997 neu zu orientieren. Dass sie in einem großen Bezugsfeld stecke, dass viele Menschen um sie herum waren, diese Erkenntnis, sollte ihre Arbeit bestimmen. Sie entschied sich dafür, Porträts zu machen. Jedoch nicht von Kopf oder Körper, sondern von den Füßen ihrer Freunde. Damit wechselte sie auch das Medium und wandte sich der Fotografie zu. Richtete sich daheim ein Fotolabor ein und machte sich daran, die Frage zu erkunden, ob ein Fuß nicht ebenso das Wesen eines Menschen ausdrückt wie dessen Hände oder dessen Gesicht. So kam es, dass sich im Keller der Kunsthochschule eines Tages harmonika-artige zusammengefaltete Fotoreihen über den Boden erstreckten. Julia Baur, die heute in Rehlingen lebt, hatte das Wesen des Details ergründet, das sich im gleichen Jahr in einer Ausstellung im Kulturfoyer des Saarbrücker Kulturamtes erst richtig entfalten sollte.
"Menschliches " hatte sie ihre dortige Ausstellung überschrieben und damit die Wendung zum Körper, seinem scheinbar delikaten Detail vollzogen. Zusammen mit ihrer Künstlerkollegin Karin Schlicht bat sie ein Jahr später in der ehemaligen Produzentengalerie O.T. im Kultur- und Werkhof in Saarbrücken zur Installation mit Rosen und Samt sowie Körperausschnitten. Wie nah sich die Haut der Blütenblätter oder das Fleisch von Früchten und Gemüse und der menschliche Körper kommen, wie ähnlich sie sind, welch ungeahnte Beziehungen zwischen ihnen bestehen, war Entdeckung dieser Zeit.
"Wovon der Körper träumt" lautet der Titel einer weiteren Ausstellung der Galerie O.T., zu der J. Baur
2000 lud. Wovon er träume ? "Davon berührt zu werden", gab sie zur Antwort. Federn, Glasperlen Seifenschaum, der Abdruck eines stachligen Gummiballs auf der Haut umfingen die Haut, gruben sich
in Ihr ein und J. Baur hatte eine Form der erotischen Fotografie sich erschlossen, die jeder Banalität oder Vulgarität abhold war. " Es war die Möglichkeit mit der Frage zu spielen, wie der Körper noch aussehen kann", sagte sie. Wiederum war eines ihrer Mittel die Zweideutigkeit des Bildes, das die Wahrnehmung notwendig in Spannung versetzte.

 

 

Doch diese Spiel mit der Sinnlichkeit bekam einen nächsten Schritt eine sinnenfrohe Variante.
"zart kernig bunt "nannten Julia Baur und Karin Schlicht ihre Fotoinstallation und Essperformances, in denen sie auf mittlerweile großformatigen Farbfotografien Ausschnitte des Körpers zusammen mit Früchten zeigten. Der Kürbis oder der Fenchel trat schlüssige Beziehung zu einem Detail des Körpers. Eine umso reizvollere Spannung entstand. Auch deshalb, weil vor den Fotografien eine Tafel mit Früchten und Gemüse aufgebaut war, die sich die Tischgesellschaft mit ihren Fingern, den Zähnen und gänzlich ohne Besteck einverleibte. Die Betrachter hatten ihre Position nun endgültig verlassen und traten in das Spiel mit eigenem Körpereinsatz ein.
Der Weg ist längst noch nicht zu Ende. Sie nehme sich wieder der Malerei an, erzählt sie. Fotos, die technisch missglückt oder fehlerhaft waren, werden zu Vorlage für Malerei. Malerin, fügt Julia Baur hinzu, sei sie noch immer. Vielleicht musste es nur der scheinbare Umweg über die Fotografie sein, um wieder zur Malerei zurückzukehren.

   
         
       
         
 
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